Es bereitet dem Beobachter immer wieder großes Vergnügen, den Mond zu betrachten, dazu
ist selbst das kleinste Fernrohr, auch ein Fernglas, gut genug. Er verändert sein Aussehen
täglich. Er zeigt uns ein ständig wechselndes Panorama von Bergen, Kratern, Tälern,
Tiefebenen und Gipfeln. Auch nach der Landung von Menschen auf dem Mond, hat er nichts
von seiner Romantik und Faszination verloren. Er ist der ständige Begleiter unserer Erde auf
der Bahn um die Sonne, und der nächste aller Himmelskörper und damit nach der Sonne
auch der wichtigste.
Mondbeobachtungen waren für frühere Zivilisationen, für die Zeitmessung und auch für die Bestimmung von Jahreszeiten ausserordentlich wichtig und hatten daher sogar religiöse Bedeutung. Um 270 v. Chr. machte Aristarch von Samos einen ersten Versuch einer Entfernungsangabe des Mondes. Er bediente sich dabei geometrischer Methoden, die zu dieser Zeit nur für die Erdvermessungen angewendet wurden. Das Ergebnis lag zwar weit neben der Realität, war aber insofern bedeutsam, als es eine vernünftige Schätzung auf der Basis der Geometrie darstellte.
Der Erdmond ist im Rahmen des Sonnensystems relativ unbedeutend, aber doch im Vergleich
zur Erde relativ groß, da er einen Durchmesser von 3476 km hat und damit mehr als ein
Viertel des Erddurchmessers misst. Er hat rund 1/81 der Erdmasse. Im Sonnensystem gibt es
5 Monde die größer sind als unser Erdmond, davon 3 im Jupitersystem, je einen beim Saturn
und Neptun. Diese gehören aber zu Planeten, die mehrere 100 mal mehr Masse haben als ihre
Monde. Daher wurde das System Erde-Mond auch manchmal als Doppelplanet bezeichnet.
Diese spezielle Relation war natürlich auch von Bedeutung bei der Suche nach dem Ursprung
des Mondes. Darüber gibt es mehrere Hypothesen, wie Abspaltung von der Erde, Einfangen
durch die Erde, und Bildung von Erde und Mond als Doppelplanet, von denen jedoch keine
bestätigt werden konnte. Heute geht man davon aus, dass die Erde am Anfang ihrer Existenz,
also vor ca. 4 Milliarden Jahren mit einem Körper von der Größe des Mars kollidiert ist, und
sich durch diese Katastrophe die Erde und der Mond zu dem System entwickelt haben wie wir
es heute sehen. Durch Modellrechnungen am Computer wurde dieses Modell bestätigt.
Von der Erde aus gesehen bewegt sich der Mond in einer elliptischen Bahn mit der Erde in
einem Brennpunkt, Korrekt ausgedrückt, umkreisen Erde und Mond zusammen den
Schwerpunkt des Erde-Mond Systems. Da aber die Erde eine bedeutend höhere Masse hat als
der Mond, liegt der Schwerpunkt dieses Systems noch innerhalb der Erdkugel, und zwar
1600 km unter der Erdoberfläche. Der Abstand des Mondes von der Erde, gemessen von
Mittelpunkt zu Mittelpunkt, variiert von 356 410 km bis zu 406 679 km. Der mittlere
Abstand beträgt 384 392 km.
Die Ebene der Mondbahn ist zur Ebene der Erdbahn um die Sonne (Ekliptik) um 5,9° geneigt,
er kreuzt damit die Erdbahnebene in 2 Punkten, auch Knoten genannt, wenn er sich von
unten nach oben (aufsteigender Knoten ),und von oben nach unten (absteigender Knoten )
durch die Ekliptik bewegt.
Der Mond sendet kein eigenes Licht, er scheint nur, weil er das Sonnenlicht reflektiert.
Deshalb ist die von der Sonne abgewandte Seite auch immer dunkel. Die scheinbare Form des
Mondes, seine Phase, hängt von seiner Position auf der Bahn um die Erde ab. Wenn er sich
zwischen Sonne und Erde befindet, so dass die von der Sonne beaufschlagte Fläche des
Mondes von der Erde aus nicht sichtbar ist, haben wir NEUMOND. Kurz danach ist eine
schmale Sichel zu sehen. Die Grenze zwischen dem beleuchteten und unbeleuchteten Teil des
Mondes nennt man den TERMINATOR. Da die Mondoberfläche nicht eben ist, erscheint er
sehr unregelmässig, und damit sehr reizvoll. Wenn er sich dann auf seiner Bahn
weiterbewegt, so wächst die Sichel , und der Mond nimmt zu. Je mehr das Mondlicht
zunimmt, desto weiter entfernt sich der Mond scheinbar am Himmel von der Sonne .
Während der Sichelphase ist der unbeleuchtete Teil des Mondes oft deutlich sichtbar
(aschgraues Licht ). Dieses Phänomen ist auf die Reflektion des Sonnenlichts durch die Erde
auf den Mond und zurück auf die Erde zurückzuführen. Wenn dann die Hälfte der
erdzugewandten Seite beleuchtet wird, ist der Mond im ersten Viertel, er hat 1/4 seiner
Bahn zurückgelegt. Dann nimmt er weiter zu, bis er schließlich voll ist, wir haben dann
VOLLMOND. Beim weiteren Fortschreiten auf seiner Bahn, beginnt er nun abzunehnmen,
(der Mond nähert sich jetzt von der anderen Seite wieder der Sonne ) erreicht das letzte
Viertel, und wird wieder zu einer Sichel und zum NEUMOND, damit beginnt dann der
nächste Zyklus. Der ganze Zyklus wiederholt sich alle 29,53 Tage, daher erschien es den
frühen Kulturen als ob der Mondumlauf mal 30 und mal 29 Tage dauert. Man sprach in
diesem Zusammenhang von Monden oder Monaten. Darauf basierte auch der Mondkalender
viele tausend Jahre lang. Noch heute bilden die Mondphasen die Grundlage für den jüdischen
und den moslemischen Kalender.
Der Mond bewegt sich für den erdgebundenen Beobachter relativ zum Fixsternhimmel um ca.
13° pro Tag nach Osten, während er sich durch die tägliche Drehung der Erde (360° pro Tag)
wie die Fixsterne nach Westen bewegt. Diese Bewegung ist dominierend, so dass er sich in der
Summe der beiden gegenläufigen Bewegungen von Ost nach West bewegt. Daher geht der
Mond im Osten auf, und im Westen unter, genauso wie die Sonne auch. Trotzdem verspätet
sich der Mondaufgang jeden Tag. Den Zeitunterschied zwischen einem Mondaufgang und dem
nächsten, nennt man Retardation. Ihr mittlerer Wert liegt bei 50 Minuten. Der Wert
schwankt durch die Neigung der Bahnen zum Äquator und die nicht gleichförmige Bewegung
von Sonne und Mond in Ihrer elliptischen Bahn. Auf der Nordhalbkugel ist die Retardation
im Frühjahr um den März am grössten, da die Bahn des Mondes am steilsten auf dem
Horizont steht. Um den September ist sie am kleinsten, wenn die Bahn am flachsten ist. Man
spricht hier auch vom Ernte-Mond (Harvest-Moon), da in diesem Zeitraum der Ernte der
Vollmond früher aufgeht.
Es ist seit altersher bekannt, dass das täglich zweimalige Steigen und Fallen des
Meeresspiegels irgendwie mit der Stellung des Mondes zusammenhängt. Im 17. Jahrhundert
hat man jedoch erst eine befriedigende Erklärung dieses Gezeitenphänomens gefunden. Dabei
hat sich bestätigt, dass die Gezeiten im wesentlichen durch die Wirkung der Gravitation des
Mondes entstehen. Diese Kraft führt zu einer leichten Aufwölbung der Ozeane in Richtung
der Stellung des Mondes. Infolge der Erdrotation passiert jeder Punkt der Erdoberfläche diese
Aufwölbungen, und erfährt demzufolge Flut und die nachfolgende Ebbe. Warum es 2 dieser
Flutberge auf der Erde gibt, einen auf der mondzugewandten und einen auf der
mondabgewandten Seite, kann man wohl am besten so erklären, dass die Anziehungskraft des
Mondes auf die Erde am stärksten auf der mondzugewandten Seite wirkt, auf der
mondabgewandten Seite herrscht eine durch den grossen Erddurchmesser bedingte geringere
Gravitationskraft, daher bildet das Wasser hier eine Aufwölbung auch in die
entgegengesetzten Richtung. Diese 2 Flutberge wandern mit der Periode des Mondes um die
Erde und würden alle 13,65 Tage eine Flut erzeugen, wenn sich die Erde nicht drehen würde.
Da aber die Erde selbst in 24 Stunden eine Umdrehung macht, finden die Fluten in
Abständen von ca. 12h25m statt.
Erde und Mond werfen beide sehr lange kegelförmige Schatten in den Weltraum. Wenn die
Erde den Schattenkegel des Mondes durchquert, spricht man von einer Sonnenfinsternis.
Wenn andererseits der Mond den Erdschatten passiert, gibt es eine Mondfinsternis, die im
Gegensatz zu der Sonnenfinsternis von der gesamten Nachtseite der Erde aus gesehen
werden kann. Während einer Mondfinsternis verschwindet der Mond nicht vollständig, da
Sonnenlicht das durch die Erdatmosphäre gebrochen wird, die Mondoberfläche noch schwach
beleuchtet. Das Aussehen des Mondes während einer Finsternis hängt daher von dem
Zustand der Erdatmosphäre ab, die dem Mond eine rötliche bzw.kupferähnliche Farbe geben
kann. Er kann aber auch so dunkel sein, dass er für das freie Auge fast nicht sichtbar ist. Eine
Finsternis ist nicht immer total. Wenn die Sonne oder der Mond nur teilweise abgedeckt
werden, weil Sonne , Erde und Mond nicht in einer Linie stehen, spricht man von einer
partiellen Finsternis. Bei Sonnenfinsternissen gibt es noch eine 3. Art, sie wird ringförmig
genannt, hier stehen die 3 Körper wohl in einer Linie, der abstand des Mondes von der Erde
ist jedoch zu groß um die Sonne ganz abzudecken. Eine Sonnenfinsternis gibt es nur bei
Neumond, eine Mondfinsternis nur bei Vollmond. Da jedoch die Mondbahn wie bereits
erwähnt um knapp 6° gegendie Erdbahn geneigt ist, findet nicht bei jedem Neu- oder
Vollmond eine Finsternis statt. Bedingung für Finsternisse ist ausserdem, dass sich der Mond
in, oder in der Nähe, eines Knotens befindet.
Bei den ersten Beobachtungen des Mondes mit einem optischen Hilfsmittel, erkannte Galilei
im Jahre 1609 zwei wesentlich verschiedene Strukturen der Mondoberfläche. Große dunkle
Ebenen einerseits und helle, dicht mit Kratern besetzte Hochflächen andererseits. Man
glaubte die dunklen Ebenen wären Meere und nannte sie entsprechend MARIA. Ein Name
der sich bis heute gehalten hat. Die grauen Ebenen oder Maria nehmen etwa 15% der
Mondoberfläche ein, und liegen 2-5 km unterhalb des mittleren Radius des Mondes. Das
auffälligste von allen ist das Mare Imbrium. Die zahlreichen Krater in den Hochflächen sind
durch Meteoriteneinschläge entstanden. Es gibt jedoch auch kraterähnliche Gebilde, die
durch Vulkanismus entstanden sind. Die Krater haben viele Besonderheiten, manche wie
Grimaldi und Plato haben dunkle Böden vom Maretyp, es gibt aber auch helle Krater, wie
insbesondere Aristarchus. Dann findet man Krater, die das Zentrum eines Strahlensystems
sind. Tycho und Kopernikus sind wohl die bekanntesten. Tychos Strahlen sind nicht direkt
auf sein Zentrum gerichtet, sondern liegen meist tangential zu den Wällen. So findet man
viele Besonderheiten bei genauerer Betrachtung.
Lassen auch Sie sich von dem Anblick der Oberfläche unseres Trabanten beeindrucken .
Willy Mahl 03/2001