Ein Abend auf der Sternwarte

Um es gleich zu sagen: Sternwarten sind ungemütliche Orte. Jeder, der schon mal da war, kann das wohl bestätigen. Der Beobachtungsraum ist ungeheizt, es ist drinnen so kalt wie draußen im Freien. Weil man sich zudem wenig bewegt, hilft bei niedrigen Temperaturen nur eines: warm anziehen! Das heisst im Klartext: zwei oder besser drei Schichten nach dem Zwiebelschalenprinzip und ein Paar Socken mehr, als Sie denken. Erst dann kann man den Himmelsanblick und die nächtliche Stimmung wirklich genießen.

Welcher Abend ist geeignet?

Die Atmosphäre soll möglichst ruhig und transparent sein, um das Licht, das wir im Teleskop bündeln wollen, nicht zu beeinflussen. Drei Dinge, die dem Beobachter am Teleskop das Leben schwer machen, sind Wolken, fremde Lichtquellen und die Luftunruhe. Sie gilt es zu vermeiden.

Auch ein Teleskop kann nicht durch die Wolken schauen, deshalb sollte der Himmel weitgehend wolkenfrei sein. Klare Nächte kommen das ganze Jahr über vor, nach der Erfahrung der letzten Jahre im Frühling und Sommer häufiger als im Herbst und Winter.

Störende Lichtquellen sind der Vollmond und, vor allem in Stadtnähe, die “Lichtverschmutzung” durch Straßen- und Hausbeleuchtung, Reklame, usw. Dieses unerwünschte Licht erhellt den Dunst in der Atmosphäre, so dass der Himmel grau aussieht. Schwache Sterne, zarte Gasnebel und ferne Galaxien sind dann kaum noch erkennbar. Deshalb sollte man die Vollmondnächte eher meiden.

Die Luftunruhe erlebt man an heißen Tagen, wenn man vom Auto aus ein weiter entferntes Verkehrsschild kaum lesen kann, da die Buchstaben durch das Flimmern der über dem Asphalt aufsteigenden heißen Luft verzerrt werden. Am Nachthimmel ist dieser Effekt zwar viel schwächer, wird aber durch das Teleskop vergrößert, so dass sich das Bild eines Objekts für den Betrachter oft mehr als zehnmal pro Sekunde verändert. Eine scharfe Abbildung ist dann nicht mehr möglich.
Aber es gibt auch einen Vorteil in Nächten mit Luftunruhe: Die Sterne funkeln wunderschön romantisch.

Jetzt wird auch klar, warum der Beobachtungsraum kalt bleiben muss: Eine Heizung würde durch die aufsteigende warme Luft das Bild im Teleskop verzerren.

Bei einigermaßen guten Bedingungen können viele astronomische Objekte beobachtet werden. Ihr Anblick im Teleskop ist zwar nicht so spektakulär wie in den einschlägigen Bildbänden und Medien, dafür aber erlebt man die Natur ohne Retuschen oder Manipulationen. Und dann finden sich auf einer Sternwarte genügend Liebhaberastronomen, die in Verbindung mit den beobachteten Objekten auftretende Fragen gerne beantworten.

Text: W.Mahl / E.Kaufmann


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