Sternhaufen für den Feldstecher


Sternhaufen für den Feldstecher

Bei den Hobbyastronomen sagt man, jedes Fernrohr hat seinen Himmel. Es gibt Objekte am Himmel, die mit kleineren Instrumenten besser zu betrachten sind. Um ihre eindrucksvolle Schönheit wahrzunehmen genügt oft ein einfacher Feldstecher. Aus den zahlreichen interessanten Objekten des Sternenhimmels, wollen wir uns mit einigen offenen Sternhaufen befassen, die vielseitige und dankbare Beobachtungsmöglichkeiten bieten.

Der besondere Reiz liegt wie gesagt darin, dass es sogar ein Vorteil ist, wenn man nur einen Feldstecher oder ein kleines Fernrohr zur Verfügung hat. Werden nämlich Sternhaufen durch zu starke Vergrösserung so auseinandergezogen, dass nur ein Ausschnitt sichtbar wird, haben sie ihre Wirkung verloren. Für den Beobachter ist es bestimmt interessant, auch etwas über die Geschichte und die mythischen Hintergründe der Sternbilder zu erfahren, ferner über Dimensionen, Entfernungen und weitere Erkenntnisse über das betrachtete Objekt.

Beginnen wir mit den Plejaden (M45), sie haben schon in der frühen Geschichte der Menschheit ihre Spuren hinterlassen. In der griechischen Mythologie sind die Plejaden die 7 Töchter des Riesen Atlas, der bekanntlich das Himmelsgewölbe trug. Wer mit bloßem Auge auf die Plejaden schaut, erkennt nur 6 Pünktchen des Sternhaufens, die Mythologie hat aber auch dafür eine Antwort parat. Eine der Schwestern hat sich mit einem gewöhnlichen Sterblichen vermählt, darum schämt sie sich und verbirgt sich. Es gibt aber Tage, an denen man auch sie erkennen kann, dann tritt sie allerdings nur in Begleitung von Atlas und Pleone, ihren Eltern, auf. So kommt es, dass im Siebengestirn, wie die Plejaden auch genannt werden, nie 7 Sterne gesehen werden, sondern nur 6 oder 9. Letztere Konstellation entspricht den sehr guten Sichtbedingungen, die vor allem im Mittelmeer Raum, dem Ursprung dieser Mythe herrschen. Nummer 7, 8 und 9 sind gleich hell, leuchten jedoch schwächer als 1 bis 6. Andere mythologische Quellen liefern über die Plejaden weitere Geschichten, die dem jeweiligen Kulturkreis angepasst sind. In der Vorkalenderzeit haben die Plejaden auch als Zeitmarke gedient. Die Entfernung dieses offenen Sternhaufens wird nach neuesten Messungen mit ca. 368 Lichtjahren angegeben. Ein Objekt der näheren Umgebung also. Daher sieht man auch mit freiem Auge diese enge Sterngruppe. Große Teleskope zeigen, dass die Gruppe der Plejaden aus etwa 200 Sternen bestehen. Der Durchmesser des Haufens liegt bei ca. 20 Lichtjahren. Im Kosmos Atlas für Himmelsbeobachter von Erich Karkoschka kann man bei Plejaden folgendes lesen:

“Wunderbar mit freiem Auge und Fernglas, schwache Reflexionsnebel bei dunkelstem Himmel.”

wie auf dem Bild auch gut zu erkennen ist.

Von ähnlicher Art ist M16 im Sternbild Schlange, das zu unserem Sommerhimmel gehört. M16 erreicht immerhin eine Höhe über dem Horizont, die etwa 1/3 des Abstandes von Horizont bis zum Zenit beträgt. M16 hat einen Durchmesser von 33 Lichtjahren, enthält ca. 50 Einzelsterne, also weit weniger als die Plejaden, ist aber in eine dichte leuchtende Gaswolke gehüllt (Gasnebel). Seine Entfernung mit ca. 6 000 LJ ist etwa 14 fache so groß wie die Entfernung der Plejaden. Dass der Sternhaufen die Grenze der Wahrnehmbarkeit mit blossem Auge erreicht, liegt an dem leuchtenden Nebel in den er eingebettet ist. Im Teleskop ohne Nebelfilter ist der Sternhaufen auffälliger.

Ein anderes vergleichbares Objekt ist der Doppel-Sternhaufen h+chi im Perseus. Hier gibt es im Atlas für Himmelsbeobachter folgende Beschreibung:

“Relativ einfach mit freiem Auge sichtbar, Prachtstück für das Fernglas, noch besser im Teleskop, bei schwacher Vergrößerung, beide Sternhaufen enthalten je etwa 300 Sterne.”

Ihre Entfernung liegt bei 8000 LJ. Ihre Größe am Himmel entspricht ca. je einem Vollmond – Durchmesser, dies entspricht etwa 70 Lichtjahren in ihrer wirklichen Ausdehnung.

Ein weiteres Beispiel ist der offene Sternhaufen M44 im Krebs. Er wird auch Praesepe oder Krippe genannt und soll laut Überlieferung die Krippe im Stall von Betlehem symbolisieren. Diesen Sternhaufen findet man auch mit bloßem Auge, Praesepe ist auch wieder ein prachtvolles Feldstecherobjekt. Was das freie Auge als zarten Schimmer wahrnimmt, löst das Fernglas in einzelne flimmernde Punkte auf. Wie Diamanten auf einem schwarzen Samttuch. Im Atlas für Himmelsbeobachter steht folgender Kommentar:

“einfach mit freiem Auge sichtbar , eindrucksvoll im Fernglas, kaum besser im Teleskop.”

M44 hat eine Entfernung von 500 LJ und eine Größe von 80 Bogenminuten, dies entspricht einer Ausdehnung des Objekts von knapp 12 LJ.

Nicht weit entfernt von M44 steht M67, ebenfalls im Sternbild Krebs. Er ist mit freiem Auge nicht aufzufinden, im Fernglas ein Nebelfleck, jedoch wunderbar aufgelöst im Teleskop. Seine Entfernung: 2 500 Lj. Die Größe 20 Bogenminuten, entsprechend 14,5 Lj.

Zum Schluss noch ein Hinweis auf einen sehr schönen Sternhaufen für das Fernglas. Es ist M34. Er steht an der Sternbildgrenze von Perseus und Andromeda. Zwischen Gamma Andromedae und Beta Persei. Wenn man einen Sternatlas zu Hilfe nimmt, ist er sehr leicht aufzufinden. Seine Entfernung 1 500 LJ. Seine Grösse 25′, entsprechend ca.11 Lj.

Und nun wünsche ich Ihnen viel Spaß, wenn sie den einen oder anderen nächtlichen Spaziergang in einer halbwegs dunklen Umgebung dazu nutzen, das eine oder andere beschriebene Objekt aufzusuchen, um sich daran zu erfreuen.

Willy Mahl 14.06.2002


Letzte Änderung am 04.07.2002 durch astroman

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